Erik van Dijk wurde 1955 in den Niederlanden, unweit eines Kanalsystems, geboren. Wasser, Wege und wiederkehrende Routen prägten früh sein Verhältnis zur Umgebung. Schon als Jugendlicher bewegte er sich viel entlang derselben Strecken, oft ohne Ziel. In dieser Zeit fotografierte er kurz. Eine einfache Kamera, wenige Filme. Familienfeste, Wege, Fassaden, das Wasser. Er wusste nicht, dass er fotografierte. Er hörte wieder auf, ohne es zu bemerken.

Danach verschwand die Fotografie vollständig aus seinem Leben. Nach der Schule arbeitete er viele Jahre in unterschiedlichen administrativen und technischen Zusammenhängen. Sein Alltag war von Routinen bestimmt, von Wegen, die sich wiederholten, von Zeiten, die kaum voneinander zu unterscheiden waren. Die frühe Kamera spielte keine Rolle mehr, die Bilder gerieten in Vergessenheit. Fotografie war kein unterbrochener Weg, sondern ein abgeschlossener Abschnitt.

Erst spät trat sie wieder in sein Leben. Beiläufig, fast zufällig. Eine Kamera wurde Teil des Alltags, nicht um Neues zu suchen, sondern um das Vertraute genauer zu sehen. Es war kein Wiederanfang, eher ein Wiederauftauchen. Etwas, das schon einmal da gewesen war, ohne Bedeutung, ohne Anspruch.

Erik van Dijk kehrt zurück. Er geht dieselben Wege immer wieder, oft zur gleichen Tageszeit. Ihn interessieren Spuren von Abnutzung, kleine Verschiebungen, Dinge, die man nur bemerkt, wenn man nicht weitergeht. Seine Bilder entstehen langsam, manchmal ohne klares Motiv. Oft weiß er erst später, warum er stehen geblieben ist.

Seine Arbeitsweise ist ruhig und zurückhaltend. Er wartet nicht auf besondere Situationen. Das Licht darf flach sein, der Moment unspektakulär. Die Kamera dient dazu, festzuhalten, was sich kaum verändert – und gerade darin anders wird. Farbe und Schwarzweiß nutzt er gleichwertig, je nachdem, was die Oberfläche verlangt.

Nach dem Unterwegssein schreibt Erik van Dijk. Seine Texte sind tastend, leicht melancholisch, oft fragmentarisch. Sie kreisen um Erinnerung, Wiederholung und das Gefühl, sich in der eigenen Bewegung selbst zu begegnen. Der Text erklärt das Bild nicht. Er bleibt neben ihm, wie ein Gedanke, der nicht abgeschlossen werden soll.

Im Archiv der leisen Dinge steht Erik van Dijk für das Nachhallende. Seine Arbeit zeigt, dass Aufmerksamkeit Zeit braucht und dass Bedeutung nicht im Ereignis liegt, sondern in der Wiederkehr. Seine Bilder und Texte sind weniger Aussagen als Spuren eines langsamen, beharrlichen Sehens.

Erik van Dijk lebt heute ruhig, mit festen Wegen und wenig Abweichung. Er arbeitet nicht auf Veränderung hin. Seine Arbeit entsteht aus dem Bleiben, aus dem Wiedersehen, aus der Bereitschaft, dem Vertrauten noch einmal zu begegnen.

Alle Fotografen sind fiktive Personen diese künstlerischen Projektes.