Hiroshi Tanaka wurde 1963 in einer japanischen Küstenstadt geboren, in einer Umgebung, in der Genauigkeit als Form von Respekt galt. Ordnung, Wiederholung und Aufmerksamkeit für Details prägten früh seinen Alltag. Er lernte, Dinge nicht zu interpretieren, sondern zunächst zu betrachten.
Nach der Schule studierte er ein technisch-naturwissenschaftliches Fach. Er arbeitete viele Jahre in einem Umfeld, in dem Analyse und Struktur entscheidend waren. Fotografie begleitete ihn lange als präzises Werkzeug, nicht als Ausdrucksmittel. Erst später wurde sie zu einem eigenständigen Feld seiner Aufmerksamkeit, ohne ihren analytischen Charakter zu verlieren.
Hiroshi Tanaka fotografiert konzentriert und zielgerichtet. Ihn interessieren Oberflächen, Materialwechsel, kleine Strukturen, Übergänge zwischen Funktionen. Er arbeitet langsam, aber nicht zögernd. Ein Bild entsteht, wenn ein Zusammenhang sichtbar wird, nicht wenn ein Moment besonders erscheint. Seine Motive wirken ruhig, manchmal beinahe nüchtern, und entfalten ihre Wirkung durch Genauigkeit.
Die Kamera ist für ihn ein Instrument der Klärung. Er arbeitet mit festen Einstellungen und klaren Brennweiten. Entscheidungen trifft er vor dem Gehen, nicht unterwegs. Farbe nutzt er bewusst und kontrolliert, Schwarzweiß dann, wenn es die Struktur eines Motivs deutlicher macht. Nichts ist zufällig, nichts wird dramatisiert.
Seine Ausrüstung ist funktional und reduziert. Alles, was er mitnimmt, hat einen Zweck. Überflüssiges empfindet er als Störung der Aufmerksamkeit. Diese Haltung überträgt sich auf seine Bilder: Sie sind klar, ruhig und frei von Gesten.
Nach dem Unterwegssein schreibt Hiroshi Tanaka. Seine Texte sind sachlich, präzise und ordnend. Er benennt, was er gesehen hat, und setzt es in Beziehung, ohne persönliche Wertung. Der Text dient nicht der Erklärung des Bildes, sondern der Klärung des Wahrgenommenen. Beide bleiben auf derselben Ebene.
Im Archiv der leisen Dinge steht Hiroshi Tanaka für eine reflektierte Form der Zurückhaltung. Seine Arbeit zeigt, dass Analyse und Aufmerksamkeit einander nicht ausschließen. Dass Klarheit leise sein kann.
Hiroshi Tanaka lebt heute ruhig und zurückgezogen. Er arbeitet nicht auf Ausdruck hin, sondern auf Verständnis. Seine Bilder und Texte sind Ergebnisse eines genauen Blicks, der sich nicht aufdrängt, sondern bestehen bleibt.
Alle Fotografen sind fiktive Personen diese künstlerischen Projektes.