Peter Seidel wurde 1961 in einer westdeutschen Stadt geboren, in einer Umgebung, die weder eindeutig städtisch noch eindeutig ruhig war. Er wuchs zwischen Alltäglichkeit und Rückzug auf, lernte früh, viel nach innen zu verlegen. Entscheidungen fielen ihm nie leicht, Beobachtungen dagegen schon.

Nach der Schule studierte er einige Jahre, ohne einen klaren Berufswunsch zu verfolgen. Er arbeitete später in verschiedenen verwaltenden und organisatorischen Tätigkeiten, immer in Positionen, die Nähe erlaubten, aber Distanz verlangten. Fotografie trat nicht als Ziel in sein Leben, sondern als Möglichkeit, sich der Welt zu nähern, ohne sich ihr auszuliefern.

Peter Seidel fotografiert langsam und zögernd. Oft hält er die Kamera bereits in der Hand, senkt sie wieder, wartet. Seine Motive sind Übergänge: Fenster, Dämmerung, leere Räume, Momente kurz vor dem Verschwinden des Lichts. Er sucht keine Klarheit, sondern hält Unentschiedenheit aus. Ein Bild entsteht, wenn er den Moment nicht mehr umgehen kann.

Schwarzweiß ist für ihn keine ästhetische Entscheidung, sondern eine Form der Reduktion. Farbe würde zu viel behaupten. Das 50-mm-Objektiv hält ihn auf Abstand, nah genug zum Sehen, weit genug zum Denken. Seine Ausrüstung ist bewusst begrenzt. Die klassische Fototasche, die sich nach oben öffnet, verlangsamt ihn zusätzlich. Öffnen, greifen, schließen – auch das gehört zur Arbeit.

Nach dem Unterwegssein schreibt Peter Seidel. Seine Texte sind leise, melancholisch, oft fragmentarisch. Sie erklären die Bilder nicht, sondern setzen das Zögern fort. Kurze Sätze, abgebrochene Gedanken, Beobachtungen, die mehr fragen als festhalten. Bild und Text stehen nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu legitimieren.

Im Archiv der leisen Dinge nimmt Peter Seidel eine innere Position ein. Seine Arbeit zeigt, dass Aufmerksamkeit auch aus Unsicherheit entstehen kann. Dass Zweifel kein Mangel ist, sondern eine Form von Genauigkeit.

Peter Seidel lebt heute zurückgezogen, mit festen Wegen und wenig Abweichung. Er arbeitet nicht daran, Klarheit zu schaffen. Er arbeitet daran, die Unklarheit auszuhalten – und sie sichtbar werden zu lassen.

Alle Fotografen sind fiktive Personen diese künstlerischen Projektes.