Franz Leitner wurde 1950 in einer kleineren Stadt in Österreich geboren, in einer Umgebung, in der Ordnung sichtbar war und Abweichungen auffielen. Straßen, Beschilderungen, klare Grenzen und wiederkehrende Formen prägten früh seinen Blick. Er lernte, Dinge nicht isoliert zu betrachten, sondern im Verhältnis zueinander.
Nach der Schule studierte er einige Jahre, zunächst mit dem Ziel, Zusammenhänge zu verstehen und Systeme zu lesen. Er arbeitete später in unterschiedlichen verwaltenden und organisatorischen Zusammenhängen, immer dort, wo Struktur notwendig war, um Bewegung zu ermöglichen. Fotografie begleitete ihn lange als Nebentätigkeit, erst spät wurde sie zum eigenständigen Feld seiner Aufmerksamkeit.
Franz Leitner fotografiert, was gesetzt ist. Markierungen, Symmetrien, Wiederholungen, Zeichen im öffentlichen Raum. Ihn interessieren keine Zufälle, sondern Ordnungen, die beiläufig entstanden sind. Seine Bilder entstehen ruhig und überlegt. Er wartet, bis sich ein Zusammenhang zeigt, bevor er auslöst. Das Bild ist für ihn kein Ereignis, sondern ein Lesemoment.
Die Kamera ist präzise, aber zurückhaltend. Das 35-mm-Objektiv erlaubt Nähe, ohne zu vereinnahmen. Leitner arbeitet meist abgeblendet, um Klarheit zu gewinnen. Farbe nutzt er nicht expressiv, sondern informativ. Sie hilft, Unterschiede sichtbar zu machen, ohne sie zu betonen.
Seine Arbeitsweise ist reduziert. Er trägt wenig, nimmt nur mit, was notwendig ist. Zusätzliche Optionen empfindet er als Störung. Diese Beschränkung überträgt sich auf seinen Blick: Sie hält ihn aufmerksam für das, was bereits vorhanden ist.
Nach dem Unterwegssein schreibt Franz Leitner. Seine Texte ordnen das Gesehene. Sie vergleichen, benennen, stellen Beziehungen her, ohne sie zu erklären. Der Ton ist ruhig, präzise, abwägend. Die Sätze geben Halt, ohne festzulegen. Text und Bild stehen in einem sachlichen, aber aufmerksamen Verhältnis.
Im Archiv der leisen Dinge übernimmt Franz Leitner eine strukturierende Rolle. Seine Arbeit macht sichtbar, dass Aufmerksamkeit auch darin liegen kann, Ordnungen zu erkennen, die sich nicht aufdrängen. Sie zeigt, dass Klarheit nicht laut sein muss.
Franz Leitner lebt heute zurückgezogen, mit festen Wegen und wiederkehrenden Routinen. Er arbeitet nicht auf Abschlüsse hin. Seine Bilder und Texte sind Teil eines fortlaufenden Lesens der Welt, das offen bleibt für kleine Verschiebungen und neue Zusammenhänge.
Alle Fotografen sind fiktive Personen diese künstlerischen Projektes.