João Faria wurde 1959 in Portugal geboren. Seine Jugend war von Unruhe geprägt, von dem Bedürfnis, sich seiner Umgebung anzunähern, ohne zu wissen, wonach er eigentlich suchte. In dieser Zeit begann er zu fotografieren. Nicht aus Interesse an Bildern, sondern aus einer tastenden Suche heraus. Seine erste Kamera erhielt er von seinem Großvater, einem stillen Mann, der ihm die Grundlagen der Dunkelkammerarbeit erklärte. Entwicklung war Handwerk, kein Geheimnis. Bilder entstanden langsam, im Halbdunkel, ohne Anspruch.
João fotografierte seine unmittelbare Umgebung: Straßen, Werkstätten, Küstenorte. Besonders zog es ihn zu portugiesischen Fischern, nicht aus Romantik, sondern wegen ihrer Körperlichkeit, ihrer Arbeit im Rhythmus von Gezeiten und Müdigkeit. Er machte Bilder, ohne sie zu ordnen. Es gab keine Ausstellungen, keine Serien, keinen Versuch, die Arbeit nach außen zu tragen. Die Fotografie blieb privat, ungerichtet, suchend.
Mit der Zeit verlor er den Zugang zur Kamera. Bewegung wurde wichtiger als Festhalten. Er ging fort, wechselte Orte, arbeitete in unterschiedlichen Zusammenhängen. Die frühe Fotografie verschwand, nicht aus Ablehnung, sondern aus Vergessen. Die Dunkelkammer seines Großvaters blieb eine Erinnerung, kein Bezugspunkt.
Viele Jahre später zog João Faria in eine norddeutsche Hafenstadt. Der Ort war rauer, weiter, weniger gebunden an Herkunft. Hier kehrte die Fotografie zurück. Nicht als Wiederaufnahme der Jugend, sondern als veränderte Haltung. Die Unruhe war geblieben, aber sie verlangte nicht mehr nach Auflösung. João begann wieder zu fotografieren, diesmal unter Druck, im Gehen, in Bewegung. Straßen, Industrie, Übergänge, Hafenränder.
Seine Arbeit heute ist härter und knapper als früher. Er macht weniger Bilder, entscheidet schneller. Material darf sichtbar sein, Fehler eingeschlossen. Die Kamera ist Werkzeug, kein Ort der Reflexion. Er fotografiert nicht, um zu verstehen, sondern um die Bewegung auszuhalten.
Texte entstehen selten und fragmentarisch, meist nach dem Unterwegssein. Sie begleiten die Bilder, ohne sie zu erklären. Erinnerung, frühe Dunkelkammern und das Wissen um verlorene Bilder fließen leise mit ein.
Im Archiv der leisen Dinge steht João Faria für Veränderung ohne Beruhigung. Seine Arbeit zeigt, dass Suchen nicht endet, sondern seine Form ändert. Die frühe Fotografie war ein Versuch. Die heutige ist eine Entscheidung.
Alle Fotografen sind fiktive Personen diese künstlerischen Projektes.