Josh Borinsky wurde 1969 geboren. Er arbeitet mit Fotografie, ohne sie je als klar umrissenen Beruf verstanden zu haben. Seine frühen Bilder entstanden aus dem Gehen heraus, aus Wegen zwischen Orten, aus Wartezeiten und Wiederholungen. Nicht aus dem Wunsch, Bilder zu machen, sondern aus der Notwendigkeit, aufmerksam zu bleiben.

Schon früh interessierte ihn weniger das einzelne Bild als der Prozess, der zu ihm führt. Serien, Notizen und lose Archive begleiteten seine Arbeit über Jahre hinweg. Die Kamera war dabei ein Werkzeug unter anderen, nie Zentrum oder Ziel. Technik spielte eine Rolle, aber nicht als Stilfrage, sondern als Reaktion auf Bedingungen und Zustände.

Borinsky arbeitete lange selbstverständlich analog, später auch digital. Der Wechsel bedeutete für ihn keinen Bruch, sondern eine Verschiebung. Farbe und Schwarzweiß, unterschiedliche Formate und Verfahren waren nie Ausdruck einer Haltung, sondern Mittel, um eine bestimmte Form von Gegenwart auszuhalten.

Mit der Zeit verlagerte sich sein Interesse vom eigenen Arbeiten auf das Beobachten anderer Positionen. Er begann, fotografische Haltungen nebeneinander zu sehen, ohne sie vergleichen zu wollen. Unterschiede erschienen ihm nicht als Konkurrenz, sondern als notwendige Koexistenz.

Aus dieser Erfahrung heraus gründete er 10×10×10. Nicht als Agentur im klassischen Sinn, sondern als Arbeitsrahmen. Als Struktur, in der unterschiedliche Praktiken bestehen dürfen, ohne sich zu erklären. Das zentrale Vorhaben wurde das Archiv der leisen Dinge – ein offenes Archiv für Arbeiten, die sich dem Unscheinbaren widmen und dem Prozess Vorrang geben.

Borinsky versteht sich weder als Autor noch als Kurator. Seine Rolle ist die des Hüters einer Ordnung, die wenig eingreift. Er korrigiert nicht, bewertet nicht und greift nur dort ein, wo es notwendig ist, damit etwas bleiben kann.

Er fotografiert weiterhin. Unregelmäßig, zurückhaltend, oft ohne Veröffentlichung. Für ihn ist Fotografie kein Projekt, sondern eine Form, sich über Zeit in der Welt zu halten.

Alle Fotografen sind fiktive Personen diese künstlerischen Projektes.