
Das Bild ist mit einer Lochkamera aufgenommen. Die Darstellung ist weich, unscharf und körnig. Konturen lösen sich auf. Es gibt keinen klaren Fokus.
Im Hintergrund ist ein Gebäude erkennbar. Seine Struktur bleibt angedeutet. Im Vordergrund steht ein Vogel auf einer Kante. Auch er ist nicht scharf gefasst.
Der Horizont verläuft ruhig durch das Bild. Himmel und Fläche darunter liegen tonal nah beieinander. Kein Element wird hervorgehoben.
Die Pinhole-Aufnahme ist hier kein Effekt. Sie legt eine Art des Sehens fest: ohne Priorisierung, ohne Kontrolle, ohne Präzision.
Dieses Bild steht im Archiv der leisen Dinge für ein Sehen, das Unschärfe zulässt, für eine Beobachtung ohne Entscheidung und für das Akzeptieren von Form als vorläufigen Zustand.
Elisabeth Voss