In den letzten Monaten ist viel entstanden. Neue Stimmen. Neue Texte. Neue Werkzeuge. Neue Ideen. Vielleicht zu viel. KI hat daran ihren Anteil. Nicht, weil sie schlechte Dinge erzeugt. Sondern weil sie Geschwindigkeit erzeugt. Texte entstehen schnell. Beschreibungen auch. Gedanken lassen sich sofort fortsetzen. Das Faszinierende daran ist zugleich das Problem. Wenn Erzeugung leicht wird, wird Entscheidung schwer. Die eigentliche kreative Arbeit liegt dann nicht im Produzieren, sondern im Fragen. Im Weiterfragen. Im Zweifel. Im Nicht-zufrieden-Sein mit der ersten Antwort. ...

Zustände am See
Ein Spaziergang am See wird zu einer genauen Beobachtung von Oberflächen. Holz, Vlies, Pilzauflagen und Feuchtigkeit zeigen unterschiedliche Stadien von Nutzung und Veränderung. Die Bilder folgen keiner Landschaft, sondern den Zuständen des Materials.

Reflexion Waschbecken, Morgen
Reflexion Waschbecken, Morgen Aufgenommen in einem Badezimmer am Morgen. Sonnenlicht trifft auf die gebogene Oberfläche eines Waschbeckens und wird auf eine Wand reflektiert. Sichtbar ist eine vertikale Lichtkante. Darum herum entstehen aufgefächerte Strukturen. Die Wand zeigt eine matte, gleichmäßige Fläche. Im unteren Bereich verläuft eine horizontale Trennung. Die Aufnahme beschreibt einen Zustand von Licht auf Material. Keine Veränderung der Situation. Kein Eingriff. Nur Feststellung.

Schild nach der Baustelle
Das Schild lag am Rand im Gras. Die Baustelle war nicht mehr zu sehen. Der Weg war frei. Nur Blätter hatten sich darum gesammelt. Es wirkte nicht abgelegt. Eher zurückgelassen. Ich habe kurz angehalten und ein Bild gemacht. Dann bin ich weitergegangen.

Unruhiger Gang
Heute bin ich schneller gegangen. Es war unruhig um mich herum. Ich habe weniger angehalten als sonst. Einige Dinge habe ich nur im Vorübergehen gesehen. Trotzdem habe ich fotografiert. Einen Pfosten ohne Zaun. Bäume im Wasser. Der Gang war nicht ruhig. Das kommt vor.

Fundstück: Innenhof in Bern (2014)
Dieses Bild entstand in einem Innenhof oberhalb der Aare in Bern. Die Mauer war nicht besonders hoch, dahinter fiel das Gelände steil in ein tiefes Tal ab. Am Fuß standen Häuser. Von oben ließ sich in der Ferne die Kornhausbrücke erkennen. Am Rand der Mauer war ein Schild angebracht, das offenbar davor warnen sollte, sich aus Verzweifelung hier hinunterzustürzen. Die Maßnahme wirkt eher vorsorglich als tatsächlich wirksam, denn die Mauer war leicht zu übersteigen und der Abgrund dahinter unmittelbar. Es bleibt offen, ob ein solcher Hinweis schützt oder vor allem eine Verantwortung sichtbar macht. ...

Winterliche Setzungen
Der Gang war klar. Der Winter hat die Orte vereinfacht. Flächen wurden verlässlich. Linien traten hervor, ohne sich zu behaupten. Ich habe nur dort fotografiert, wo der Raum bereits entschieden war. Vier Bilder genügen. Der Rest bleibt Erinnerung.

Fundstück: Am Feldrand
Kuratorische Notiz — Maria Dieses Bild konfrontiert uns mit einer Form von Präsenz, die sich nicht sofort einordnen lässt. Etwas ist hier zurückgeblieben oder hängen geblieben — materiell, sichtbar, unausweichlich. Der Blick wird zunächst durch die Körperlichkeit des Motivs gebunden. Struktur, Oberfläche, Zerfall und Verflechtung treten in den Vordergrund. Gleichzeitig öffnet der umgebende Raum eine andere Bewegung: Weite, Distanz, ein ruhiger Horizont, der keinen Halt anbietet. ...

Bildbesprechung: Dalben und Möwe
Das Bild zeigt eine schräg verlaufende Struktur, vermutlich einen Dalben oder einen stark verwitterten Pfosten. Die Oberfläche ist unregelmäßig, von dunklen Flecken und helleren Abriebspuren durchzogen. Das Material wirkt gealtert und offen. Der größte Teil der Bildfläche wird vom Himmel eingenommen. Er bleibt gleichmäßig und ruhig. Im linken oberen Bereich ist ein kleiner Vogel im Flug zu erkennen, vermutlich eine Möwe. Er erscheint entfernt und ohne klare Kontur. ...

Schild ohne Baustelle
Das Schild stand noch dort. Die Baustelle war längst vorbei. Schnee lag um den Mast. Der Weg war frei. Niemand hat gewartet. Es wirkte, als hätte man es einfach vergessen. Nicht achtlos. Nur stehen gelassen. Ich bin daran vorbeigegangen und habe dann umgedreht. Ein Bild hat gereicht. Mehr gab es nicht zu klären.